Studie zur Verbreitung der Mediation

Katholische Universität Eichstätt–Ingolstadt

Sozial- und Organisationspsychologie

Prof. Dr. Elisabeth Kals

Studie zur Verbreitung der Mediation

Die Gesamtheit aller Studienteilnehmer/innen – Stichprobe von 902 Personen – umfasst bei einem Altersdurchschnitt von 46 Jahren Personen im Alter von 17 bis 80 Jahren. Darunter sind 56 % Frauen und 39 % Männer (3 % der Teilnehmer machten hier keine Angaben). Es handelt sich mit 66 % Hochschulabsolventen um eine überdurchschnittlich gebildete Stichprobe. Die Gesamtstichprobe beinhaltet 57 (ehemalige) Mediationsteilnehmer/innen und 293 Mediatoren/innen als Teilstichproben. Insgesamt gab mehr als die Hälfte der Teilnehmenden an, bereits Erfahrungen mit der Mediation gesammelt zu haben.

Die Antworten zeichnen ein Meinungsbild, das eindeutig für die Mediation spricht. Einen grafischen Überblick über die zentralen Ergebnisse finden Sie auf Seite 2. Es werden auf einer Skala von 1 bis 6 (trifft gar nicht zu - trifft voll und ganz zu) im Durchschnitt sehr hohe Bereitschaften angegeben, selbst an einem Mediationsverfahren teilzunehmen und sich für die Verbreitung dieser Konfliktlösungsmethode einzusetzen. Die hoch ausgeprägten Bereitschaften legen nahe, dass die Mediation im Konfliktfall die Methode der Wahl für viele der Befragten darstellt. Die weiteren, in der Abbildung aufgeführten Ergebnisse weisen in eine ganz ähnliche Richtung: So wird die Mediation von den Studienteilnehmer/innen als überaus nützlich betrachtet. Es besteht sowohl großes Wissen über das Streitschlichtungsverfahren als auch ein ausgeprägtes Interesse daran. Auch wahrgenommene Chancen sowie Barrieren, die dem Verfahren subjektiv im Weg stehen könnten, bilden sich klar zugunsten der Mediation ab. Die Teilnehmer/innen sprechen sich stark für die Chancen der Mediation aus, wie die Eröffnung neuer Sichtweisen auf die Situation. Hingegen werden die Barrieren, wie zeitlicher Aufwand oder fehlendes Vertrauen in das Verfahren, als niedrig eingestuft.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass finanzielle Kriterien von den Teilnehmenden nicht als ausschlaggebende Barriere erachtet werden. Die Aussage, dass mögliche hohe Kosten einer Anwendung der Mediation entgegenstehen, lehnen die Teilnehmer/innen im Mittel ab.

Auch das emotionale Erleben der Mediation ist unter den Teilnehmenden deutlich positiv getönt. So werden im Zusammenhang mit eigenen Mediationserfahrungen hauptsächlich positiv erlebte Gefühle sowie eine durchschnittlich hohe Zufriedenheit geäußert. Zudem wurden die beiden Teilgruppen der Gesamtstichprobe genauer betrachtet, nämlich die (ehemaligen) Mediationsteilnehmer/innen – nachfolgend auch Medianten/innen genannt – als auch die Mediatoren/innen. Erwartungsgemäß sind die Mediatoren/innen ihrer Profession gegenüber sehr wohlgesonnen. Die positiven Aspekte des Konfliktregelungsverfahrens werden von den Media-toren/innen im Vergleich zur Gesamtstichprobe noch stärker befürwortet, während die Barrieren, die einer Anwendung des Verfahrens im Weg stehen könnten, vergleichsweise als noch geringer angesehen werden.

 

Auch die Medianten/innen beurteilen die Mediation im Vergleich mit der Gesamtstichprobe positiv, wenn auch deutlich differenzierter. Dies spiegelt sich insbesondere bei den erlebten Emotionen wider. Während Personen ohne Mediationserfahrung dem Verfahren positiv gegenüberstehen, führen eigene Erfahrungen offensichtlich zu einem differenzierten Erleben. Auch diese Befunde sind nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass bei der Bearbeitung eines Konfliktes nicht nur positiv erlebte Gefühle wie Freude oder Erleichterung entstehen, sondern auch Ärger oder Empörung erlebt werden. All diese Emotionen können und werden in der Mediation jedoch bearbeitet und durchaus konstruktiv genutzt und ermöglichen so einen erfahrungsbasierten und genauen Blick auf das Verfahren. Insgesamt liefert die Untersuchung zur Verbreitung der Mediation überaus spannende Befunde, die auch in zukünftigen Studien noch genauer betrachtet werden sollten. Beispielsweise stellt sich im Hinblick auf unsere Ergebnisse noch dringlicher die Frage, weshalb das Konfliktbeilegungsverfahren bei einer solch positiven Grundhaltung in der Bevölkerung dennoch nicht häufiger in Anspruch genommen wird. Wichtig wären hierzu auch Evaluationsstudien mit Medianten/innen. Durch deren direktes Feedback kann das Verfahren zielgerichtet optimiert und so die Zufriedenheit zukünftiger Teilnehmer/innen erhöht werden. Letztlich sollte Mediation als Konfliktbeilegungsmethode jedoch nicht idealisiert werden. Den Kern eines jeden Mediationsverfahrens bilden schließlich Konflikte, deren Bearbeitung immer aufwühlend ist und alle Beteiligten kognitiv wie emotional (heraus)fordert.